4.5. Verfügbare Netzwerkdienste

Während Benutzerzugriff zu administrativen Kontrollen ein wichtiges Thema für Systemadministratoren innerhalb eines Unternehmens ist, ist die Kontrolle der Netzwerkdienste von oberster Wichtigkeit für jeden, der ein Linux-System installiert und anwendet.

Viele Dienste unter Red Hat Enterprise Linux verhalten sich als Netzwerkserver. Wenn ein Netzwerkdienst auf einem Computer ausgeführt wird, hört eine Server-Applikation, auch Daemon genannt, auf einem oder mehreren Ports die Verbindungen ab. Jeder dieser Server sollte als potentielle Angriffsstelle betrachtet werden.

4.5.1. Risiken für Dienste

Netzwerkdienste können viele Risiken für Linux-Systeme bedeuten. Untenstehend finden Sie eine Liste der Hauptprobleme:

AnmerkungHinweis
 

Die Bedrohung durch Schwachstellen, welche durch Puffer-Overflow entstehen, ist in Red Hat Enterprise Linux durch ExecShield entschärft, einer ausführbaren Speicher-Segmentation und Schutztechnologie, unterstützt durch x86-kompatible Einzelprozessor- und Multiprozessor-Kernels. ExecShield reduziert das Risiko eines Puffer-Overflow indem virtueller Speicher in ausführbare und nicht-ausführbare Segmente unterteilt wird. Jeglicher Progammcode, welcher versucht ausserhalb des ausführbaren Segments auszuführen (vorsätzlich und böswillig unter Ausnutzung eines Sicherheitsloches in Zusammenhang mit Puffer-Overflow implementierter Code) löst einen Segmentierungsfehler aus und wird abgebrochen.

Execshield beinhaltet auch Unterstützung für No eXecute (NX) Technology auf AMD64 Plattformen und eXecute Disable (XD) Technologie auf Itanium und Intel® EM64T Systemen. Diese Technologien arbeiten in Zusammenhang mit ExecShield, um böswilligen Code davon abzuhalten, im ausführbaren Bereich des virtuellen Speichers mit einer Granularität von 4 KB ausführbaren Codes abzulaufen, wobei das Risiko eines heimlichen Eindringens in das System unter Ausnuztung eines Puffer-Overflows verringert wird.

Für weitere Informationen über ExecShield und NX oder XD Technologien siehe das Whitepaper mit dem Titel New Security Enhancements in Red Hat Enterprise Linux v.3, Update 3, welches unter folgender URL erhältlich ist:

http://www.redhat.com/solutions/info/whitepapers/

Um die Angriffsfläche des Netzwerks zu verringern, sollten alle nicht-genutzten Dienste ausgeschaltet werden.

4.5.2. Identifizieren und Konfigurieren von Diensten

Zur Erhöhung der Sicherheit sind die meisten, mit Red Hat Enterprise Linux installierten Netzwerkdienste standardmäßig deaktiviert, Es gibt jedoch einige nennenswerte Ausnahmen:

Bei der Entscheidung, ob diese Dienste aktiviert bleiben sollen, sollten Sie mit gesundem Menschenverstand handeln und Vorsicht walten lassen. Wenn Sie zum Beispiel keinen Drucker besitzen, sollten Sie cupsd nicht laufen lassen, nur weil Sie eines Tages eventuell einen Drucker kaufen werden. Das gleiche gilt für portmap. Wenn Sie keine NFSv3-Volumen mounten oder NIS (denypbind Dienst) nicht verwenden, sollte portmap deaktiviert werden.

Red Hat Enterprise Linux wird mit drei Programmen geliefert, die für das Aktivieren und Deaktivieren von Diensten entwickelt wurden. Aus diesen besteht das Services Configuration Tool (system-config-services), ntsysv undchkconfig. Informationen zu diesen Tools finden Sie im Kapitel Zugangskontrolle zu Diensten im Red Hat Enterprise Linux Handbuch zur System-Administration.

Abbildung 4-3. Services Configuration Tool

Wenn Sie sich nicht sicher sind, welchen Zweck ein Dienst hat, finden Sie im Services Configuration Tool ein Beschreibungsfeld, in Abbildung 4-3 abgebildet, das Ihnen von Nutzen sein kann.

Das reine Überprüfen, welche Netzwerkdienste zum Bootzeitpunkt verfügbar sind, ist jedoch nicht genug. Kompetente Systemadministratoren sollten auch prüfen, welche Ports offen sind und eingehende Signale abhören. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter Abschnitt 5.8.

4.5.3. Unsichere Dienste

Jeder Netzwerkdienst is potentiell unsicher. Aus diesem Grund ist es wichtig, nicht benötigte Dienste zu deaktivieren. Angriffsflächen für Dienste werden so erkannt und können gepatcht werden. Es ist daher wichtig, Pakete, die für einen Netzwerkdienst benötigt werden, auf dem neuesten Stand zu halten. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter Kapitel 3.

Einige Netzwerkprotokolle sind von Natur aus unsicherer als andere. Dies umfasst Dienste, die wie folgt eingesetzt werden:

Beispiele für von Natur aus unsichere Dienste sind unter anderem folgende:

Alle Remote-Login- und Shell-Programme (rlogin, rsh und telnet) sollten zugunsten von SSH vermieden werden. (Unter Abschnitt 4.7 finden Sie weitere Informationen zu sshd).

FTP ist nicht ganz so gefährlich für die Sicherheit des Systems wie Remote-Shells, FTP-Server müssen jedoch sorgfältig konfiguriert und überwacht werden, um Probleme zu vermeiden. Weitere Informationen über das Sichern von FTP-Servern finden Sie unter Abschnitt 5.6.

Dienste, die sorgfältig implementiert und hinter einer Firewall verwendet werden sollten, umfassen folgende:

Weitere Informationen zur Sicherung von Netzwerkdiensten ist unter Kapitel 5 erhältlich.

Im nächsten Abschnitt werden Tools für das Einrichten einer Firewall beschrieben.