7.4. Fonts

Red Hat Enterprise Linux verwendet zwei Methoden, um Fonts und die Anzeige unter X zu regeln. Das neuere Fontconfig Font-Subsystem vereinfacht das Font-Management und liefert erweitere Anzeigefunktionen, wie Anti-Aliasing. Dieses System wird automatisch für Applikationen verwendet, welche unter Verwendung entweder des Qt 3 oder des GTK+ 2 graphischen Toolkits entwickelt wurden.

Aus Gründen der Kompatibilität, enthält Red Hat Enterprise Linux auch das originale, Core X, Font-Subsystem. Dieses System, welches mehr als 15 Jahre alt ist, ist um den X Font Server (xfs) basiert.

Dieser Abschnitt beschreibt das Konfigurieren von Fonts unter Verwendung beider Systeme.

7.4.1. Fontconfig

Das Fontconfig Font-Subsystem erlaubt Applikationen den Zugriff auf Fonts des Systems und die Verwendung von Xft oder eines anderen Render-Mechanismus, um Fontconfig Fonts mit einem fortgeschrittenen Anti-Aliasing zu versehen. Graphische Applikationen können die Xft-Library mit Fontconfig dazu benutzen, Text auf dem Bildschirm darzustellen.

Mit der Zeit wird das Fontconfig/Xft Font-Subsystem das Core X Font-Subsystem vollständig ablösen.

WichtigWichtig
 

Das Fontconfig Font-Subsystem arbeitet noch nicht mit OpenOffice.org, das eigene Font-Render-Technologien verwendet.

Es ist wichtig zu beachten, dass Fontconfig die Konfigurationsdatei /etc/fonts/fonts.conf besitzt. Hierbei sollte keine manuelle Bearbeitung stattfinden.

TippTipp
 

Während dem Übergang zum neuen Font-System, werden GTK+ 1.2 Applikationen von Änderungen, welche über den Font Preferences Dialog (Main Menu Button [auf dem Panel] => Preferences => Font) getätigt werden, nicht betroffen. Für diese Applikationen kann eine Font durch Hinzufügen der folgenden Zeile zur Datei ~/.gtkrc.mine konfiguriert werden:

style "user-font" {

fontset = "<font-specification>"

}

widget_class "*" style "user-font"

Ersetzen Sie <font-specification> mit einer Fontangabe im traditionellen, von X-Applikationen verwendeten, Format, wie -adobe-helvetica-medium-r-normal--*-120-*-*-*-*-*-*. Eine vollständige Liste der Core-Fonts kann durch Ausführen von xlsfonts erhalten oder durch Verwendung von xfontsel interaktiv erzeugt werden.

7.4.1.1. Hinzufügen von Fonts zu Fontconfig

Das Hinzufügen von neuen Fonts zum Fontconfig-Subsystem ist ein einfacher und direkter Vorgang.

  1. Um systemweit Schriftsätze hinzuzufügen, kopieren Sie die neuen Fonts in das Verzeichnis /usr/share/fonts/. Es hat sich als nützlich erwiesen ein Unterverzeichnis zu erstellen, wie z.B. local/ oder ähnlich, um zwischen Fonts unterscheiden zu können, welche vom Benutzer und welche standardmäßig installiert worden sind.

    Um Fonts für einen gewissen Benutzer hinzuzufügen, kopieren Sie die Fonts in das Unterverzeichnis .fonts/ im Hauptverzeichnis des Benutzers.

  2. Benutzen Sie den Befehl fc-cache um die Font-Information im Cache zu aktualisieren, wie folgend beschrieben:

    fc-cache <path-to-font-directory>

    Ersetzen Sie <path-to-font-directory> mit dem Verzeichnis, das die neuen Fonts enthält (entweder /usr/share/fonts/local/ oder /home/<user>/.fonts/).

TippTipp
 

Individuelle Benutzer können Fonts auch graphisch installieren, indem Sie fonts:/// in der Adress-Leiste von Nautilus angeben, und neue Font-Dateien über Drag-and-Drop dort hinein kopieren.

WichtigWichtig
 

Wenn der Font-Dateiname in .gz ended, ist dies eine komprimierte Datei und diese kann nicht direkt verwendet werden. Die darin enthaltenen Dateien müssen zuerst extrahiert werden. Verwenden Sie dazu den Befehl gunzip oder doppel-klicken Sie die Datei und kopieren Sie den Schriftsatz mittels Drag-und-Drop in ein Verzeichnis in Nautilus.

7.4.2. Core X Font-System

Aus Gründen der Kompatibilität, stellt Red Hat Enterprise Linux das Core X Font-Subsystem, das den X Font Server (xfs) verwendet, auch weiterhin zur Verfügung, um den X-Client-Applikationen Fonts bereitzustellen.

Der X Server sucht nach den im FontPath-Eintrag des Files-Abschnitt der Konfigurationsdatei /etc/X11/xorg.conf angegebenen Fonts. Sehen Sie Abschnitt 7.3.1.4 für weitere Information zum FontPath-Eintrag.

Der X-Server verbindet zum xfs-Server auf einem angegebenen Port, um Font-Informationen zu erfragen. Aus diesem Grund muss der xfs-Service laufen, damit X starten kann. Für weitere Informationen zum Konfigurieren von Services für einen bestimmten Runlevel, sehen Sie das Kapitel Zugriffskontrolle von Services im Red Hat Enterprise Linux Handbuch zur System-Administration.

7.4.2.1. xfs-Konfiguration

Das /etc/rc.d/init.d/xfs-Skript startet den xfs-Server. In der Datei /etc/X11/fs/config können verschiedene Optionen konfiguriert werden.

Die Folgende ist eine Liste der häufiger verwendeten Optionen:

  • alternate-servers — Gibt eine Liste alternativer Font-Server an, die verwendet werden können, wenn dieser Server nicht verfügbar ist. Die einzelnen Font-Server sind durch Kommas zu trennen.

  • catalogue — Eine geordnete Liste mit zu verwendenden Font-Pfaden. Font-Pfade müssen dabei durch Kommas getrennt werden.

    Sie können die Zeichenkette :unscaled unmittelbar nach dem Font-Pfad verwenden, um die nicht nicht skalierten Fonts dieses Pfades zuerst zu laden. Anschließend können Sie den gesamten Pfad erneut angeben, um andere skalierte Fonts zu laden.

  • client-limit — Stellt die maximale Anzahl an Clients ein, die von diesem Font-Server bedient werden können. Der Standardwert ist 10.

  • clone-self — Gibt an, ob der Font-Server eine neue Version von sich selbst klont, wenn client-limit erreicht ist. Standardmäßig ist diese Option auf on eingestellt.

  • default-point-size — Stellt die standardmäßige Punktgröße für alle Fonts ein, die keinen spezifischen Wert aufweisen. Der Standardwert von 120 entspricht 12-Punkt-Fonts.

  • default-resolutions — Gibt eine Liste mit vom X-Server unterstützten Auflösungen an. Die Auflösungen der Liste müssen dabei durch Kommas getrennt sein.

  • deferglyphs — Gibt an, ob mit dem Laden von glyphs (der Grafik, die eine Font visuell darstellt) gewartet werden soll. Diese Option kann mit none deaktiviert werden. Alternativ kann sie auch für alle Fonts, all, oder nur für 16-Bit-Fonts, 16, aktiviert werden.

  • error-file — Hiermit können Sie den Pfad- und Dateinamen von Speicherorten eingeben, wo xfs-Fehler protokolliert werden können.

  • no-listen — Weist xfs an, bestimmte Protokolle nicht abzuhören. Standardmäßig ist diese Option auf tcp eingestellt, um zu verhindern, dass xfs TCP-Ports abhört. Dies geschieht aus Sicherheitsgründen.

    TippTipp
     

    Wenn xfs verwendet wird, um Fonts über das Netzwerk bereit zu stellen, entfernen Sie diese Zeile.

  • port — Gibt den TCP-Port an, den xfs abhört, wenn no-listen entweder nicht vorhanden ist oder auskommentiert wurde.

  • use-syslog — Gibt an, ob das System-Error-Log verwendet werden soll.

7.4.2.2. Hinzufügen von Fonts zu xfs

Um dem Core X Font-Subsystem (xfs) Fonts hinzuzufügen, folgen Sie diesen Schritten:

  1. Erstellen Sie ein Font-Verzeichnis, sofern nicht vorhanden, mit dem Namen /usr/share/fonts/local/ unter Verwendung des folgenden Befehls als root:

    mkdir /usr/share/fonts/local/

    Sollte es nötig sein, das Verzeichnis /usr/share/fonts/local/ zu erstellen, muss dieses zum xfs-Pfad hinzugefügt werden. Dies geschieht durch Aufrufen des folgenden Befehls als root:

    chkfontpath --add /usr/share/fonts/local/ 
  2. Kopieren Sie die neuen Font-Dateien in das Verzeichnis /usr/share/fonts/local/.

  3. Aktualisieren Sie die Font-Information durch Ausführen des folgenden Befehls als root:

    ttmkfdir -d /usr/share/fonts/local/ -o /usr/share/fonts/local/fonts.scale
  4. Laden Sie die Font-Server Konfigurationsdatei von xfs neu, indem Sie folgenden Befehl als root eingeben:

    service xfs reload